Lexikon der sexuellen Orientierungen: Bisexualität, Pansexualität, Asexualität ...
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Herzliche intensive Grüße,
Es schadet nie, zu den Grundlagen zurückzukehren. Heute möchten wir für manche präzisieren, für andere erhellen oder ein Lexikon der verschiedenen sexuellen, romantischen und relationalen Orientierungen vermitteln.
Vor allem scheint ein Hinweis notwendig: Hier werden wir Empfindlichkeiten ansprechen, in denen ihr euch vielleicht wiedererkennt, Werkzeuge zum Selbstverständnis – IN KEINEM FALL werden wir auch nur einen unabänderlichen Rahmen mit "richtigen" Definitionen skizzieren.
Das gesagt...
Jahrzehntelang funktionierte die Gesellschaft auf der Grundlage eines weitgehend binären Modells. Man war entweder "der Norm entsprechend" oder außerhalb davon. Heute ist zum Glück die Suche nach sexueller Identität zu einer persönlichen Reise zur Entfaltung geworden. Die eigene Orientierung zu verstehen ist keine Modefrage, sondern hängt mit der psychischen Gesundheit und dem Selbstwertgefühl zusammen.
Manchmal komplexe Gefühle in Worte zu fassen (wie sexuelle Fluidität oder das Fehlen von Anziehung) ist die erste Stufe, die es ermöglicht, sich ein authentischeres Intimleben zu erlauben. Es ist auch ein hervorragendes Mittel, um die eigenen Bedürfnisse gegenüber dem/der Partner/in oder den Partnern präziser zu kommunizieren.
Um sich in der Vielfalt der Begierden zurechtzufinden, ist es entscheidend, die Nuancen des aktuellen Vokabulars zu beherrschen. Hier sind die Schlüsselbegriffe zur Entschlüsselung des Attraktionsspektrums.
Bisexualität wird oft fälschlicherweise als eine gleichmäßige Anziehung zu sogenannten Männern und sogenannten Frauen definiert. In Wirklichkeit ist eine bisexuelle Person von mehr als einem Geschlecht angezogen (dem eigenen und anderen). Es ist eine plurale Orientierung, die sowohl binäre als auch nicht-binäre Geschlechter einschließt.
Was ist der Unterschied zwischen Pansexuell und Bisexuell? Eine pansexuelle Person empfindet körperliche oder emotionale Anziehung zu einer Person, unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht oder ihrer Geschlechtsidentität. Konkret: Das Geschlecht ist schlicht kein Auswahlkriterium beim Begehren.
Nicht zu verwechseln mit Polyamorie (die die Anzahl der Partner betrifft), bezeichnet Polysexualität die Anziehung zu mehreren Geschlechtern (was nicht gleichbedeutend ist mit einer Anziehung zu allen existierenden Geschlechtern).
Anziehung ist nicht immer ästhetisch oder körperlich auf den ersten Blick. Manchmal ist sie rein zerebral; viszeral, sensibel.
Die Sapiosexualität ist eine Orientierung, bei der die sexuelle Erregung durch die wahrgenommene Intelligenz des anderen ausgelöst wird.
Für eine sapiosexuelle Person ist ein brillantes Gespräch, eine breite Allgemeinbildung oder eine geistige Lebhaftigkeit weit erogener als ein makelloser Körper. Das Gehirn wird dabei zum primären Sexualorgan.
Die Demisexualität gehört zum Spektrum der Asexualität. Eine demisexuelle Person kann sexuelles Verlangen erst empfinden, nachdem sie eine tiefe emotionale Verbindung aufgebaut hat. Der sexuelle "Blitz aus heiterem Himmel" existiert für sie nicht; alles läuft über die vorherige emotionale Bindung.
Die Asexualität (Ace) ist oft die große Vergessene in Diskussionen über Sexualität. Dabei betrifft sie etwa 1 % der Bevölkerung.
Asexualität: Fehlen sexueller Anziehung gegenüber anderen. Das ist keine Krankheit, kein Trauma, keine gewählte Abstinenz, sondern eine Art, in der Welt zu sein.
Gray-Sexualität: Sich in der "Grauzone" zwischen Allosexualität (Verlangen empfinden) und Asexualität befinden. Das Verlangen ist vorhanden, aber sehr selten oder sehr schwach ausgeprägt.
Das ist zweifellos der wichtigste Punkt, um aufzuhören, sich schuldig zu fühlen. Man kann sexuelles Verlangen durchaus vom romantischen Impuls trennen. Das nennt man das Modell der getrennten Anziehungen.
Die sexuelle Orientierung: Wohin richtet sich Ihre Libido? (z. B. heterosexuell, homosexuell).
Die romantische (oder affektive) Orientierung: In wen verlieben Sie sich? (z. B. biromantisch, aromantisch).
Klar ausgedrückt: Man kann von allen Geschlechtern sexuell angezogen sein (pansexuell), aber nur mit sogenannten Frauen eine romantische Beziehung aufbauen wollen (gynäromantisch). Das Verständnis dieser Nuance hilft dabei, Erwartungen und Beziehungen anzupassen.
Wenn diese Etiketten existieren, sind sie keine unbefristeten Verträge. Die sexuelle Fluidität (sexual fluidity) charakterisiert die Möglichkeit der Entwicklung der Orientierung durch Zeit, Erfahrung und Begegnungen.
Hier bekommt der Begriff queer seine volle Bedeutung. Ursprünglich eine Beleidigung, wurde er angeeignet und zu einem Kampfruf: Er bezeichnet jede Person, die heteronormative Normen und feste Etiketten ablehnt. Queer zu sein bedeutet, das Recht einzufordern, nicht in eine endgültige Schublade gesteckt zu werden.
Die Wissenschaft legt eine Kombination aus biologischen, hormonellen und umweltbedingten Faktoren nahe. Aber das Wichtigste ist weniger der "Ursprung" als das gegenwärtige Gefühl.
Absolut! Orientierungen können sich kumulieren. Man kann ein sogenannter heterosexueller Mann sein (angezogen von sogenannten Frauen), dessen Verlangen sich jedoch nur dann entfaltet, wenn die betreffende Frau besonders intelligent ist (sapiosexuell).
Weil nichts ganz schwarz oder ganz weiß ist. Wie bei einem Farbverlauf gibt es unendlich viele Nuancen zwischen jeder Definition.
Letztendlich, ob ihr pan, bi, ace seid oder jedes Wort auf "-sexuell" ablehnt, das Wesentliche bleibt Einvernehmlichkeit, Fürsorge und Vergnügen. Die Worte sind da, um uns zu helfen, uns selbst zu finden, nicht um uns einzuschränken.
Hier feiern wir und werden immer alle Formen der Leidenschaft feiern, die Liebe, egal wohin ihr sie richtet.
Wir freuen uns darauf, eure Erfahrungsberichte in den Kommentaren zu lesen!
xoxo