Ola olé, ihr Discokugeln in Po-Form (hihi)
Heute nehmen wir einen Beziehungstrend unter die Lupe, der gerade hoch im Kurs steht: Shrekking.
Also los, ich erzähle euch alles!
Es war einmal ein kleiner menschlicher Glitzerfunke, der sich für einen anderen entschied, obwohl der sein Herz nicht wirklich höherschlagen ließ – um sich eine große Enttäuschung und ein gebrochenes Herz zu ersparen.
Das jedenfalls verspricht Shrekking, ein auf TikTok entstandener Trend, der unter Singles für Diskussionen sorgt. Wir nehmen das Phänomen unter die Lupe – hoffentlich mit dem nötigen Feingefühl – und schauen, was es über unser Verhältnis zur Liebe verrät.
Eine Dating-App nach der anderen, Ghosting, Geschichten, denen schon vor dem Anfang die Luft ausgeht … Viele von uns sind vom Dating ziemlich erschöpft. Da klingt eine Idee verlockend: Was, wenn der Schlüssel zu einer entspannten Beziehung darin läge, „niedriger“ zu zielen? (Amel Bent kommt ins Schwitzen …)
Von diesem Gedanken geht Shrekking aus. Bevor wir es ausprobieren oder kurzerhand abtun, sollten wir uns Zeit nehmen, um zu verstehen, was wirklich dahintersteckt. Ohne zu urteilen und mit dem Feingefühl, das jede Liebesgeschichte verdient.
Was genau ist Shrekking?
Beim Shrekking beginnt man eine Beziehung mit jemandem, den man körperlich oder gesellschaftlich als „unter den eigenen üblichen Ansprüchen“ einstuft. Das Ziel: sich selbst schützen. Man stellt sich vor, dass diese Person dankbar dafür ist, gewählt worden zu sein – und deshalb aufmerksamer und treuer ist und einen seltener verlässt.
Der Name leitet sich natürlich vom ziemlich grünen Shrek ab, dem Oger mit dem großen Herzen aus den Animationsfilmen. In der Geschichte hält er sich für Fiona nicht gut genug … und sie liebt ihn am Ende doch so, wie er ist. In den sozialen Medien wurde das Bild umgedeutet: Man „wählt seinen Shrek“ und hofft auf Liebe ohne Risiko.
Der Begriff verbreitete sich ab Sommer 2025 auf TikTok, oft mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Viele Videos erzählen allerdings genau das Gegenteil der erhofften Geschichte: Shrekking ausprobiert … und trotzdem verlassen worden. Das nennen die Leute im Netz mit einer Prise Galgenhumor „geshrekkt werden“.
Warum dieser Trend so viele anspricht
Dass Shrekking so viele Menschen anspricht, liegt daran, dass dahinter ganz reale Bedürfnisse stehen.
- Die Angst, verletzt zu werden: Nach einer schwierigen Trennung oder einer Reihe von Enttäuschungen ist der Wunsch, sich zu schützen, nur verständlich.
- Dating-Müdigkeit: swipen, matchen, von vorn anfangen … Irgendwann sucht man nach Abkürzungen zu einer festen Beziehung, auch wenn man das ursprünglich gar nicht wollte.
- Das Bedürfnis nach Kontrolle: Sich „in der stärkeren Position“ zu fühlen, gibt Sicherheit: Man muss sich weniger anstrengen und hat weniger Angst, dass die andere Person geht.
- Der Druck, gut auszusehen: In den sozialen Medien begegnen uns ständig Schönheitsideale. Shrekking verspricht, uns davon zu befreien … und nimmt sie doch als Maßstab.
Unter all den Witzen verbirgt sich ein sensibles Thema: Verletzlichkeit.
Die Grenzen des Shrekkings: doch keine so gute Idee?
Auf dem Papier scheint die Strategie narrensicher. In Wirklichkeit beruht sie auf mehreren fragwürdigen Annahmen.
Anziehung lässt sich nicht in eine Rangliste pressen
Shrekking setzt voraus, dass es eine allgemeingültige Rangordnung der Attraktivität gibt. Doch was uns anzieht, ist zutiefst subjektiv: ein Lachen, ein Gang, eine Art zu denken, eine Ausstrahlung, gemeinsame Werte. Niemand steht „über“ oder „unter“ irgendjemandem (bei Gott – oder beim Penisgott).
Dankbarkeit ist keine Garantie für einen liebevollen Umgang
Nichts spricht dafür, dass jemand, der als „weniger begehrenswert“ gilt, aufmerksamer oder treuer ist. Die Qualität einer Beziehung hängt von den Persönlichkeiten, der Kommunikation und dem gemeinsamen Wunsch ab, etwas aufzubauen. Nicht von einem vermeintlichen Unterschied im Wert zweier Menschen.
Wenn ein Ungleichgewicht entsteht
Wer eine Beziehung eingeht und sich dabei „überlegen“ fühlt, schafft die Grundlage für ein Ungleichgewicht (um nicht zu sagen: für etwas erschreckend Toxisches). Die andere Person wird zur emotionalen Absicherung statt zum gleichwertigen Gegenüber. Auf Dauer kann dieses Gefälle auf beiden Seiten Groll schüren.
Wenn das Begehren auf der Strecke bleibt
Wer sich für jemanden entscheidet, zu dem man sich nicht wirklich hingezogen fühlt, verzichtet auch auf einen wesentlichen Teil der Verbundenheit: die Anziehung, die Neugier, die Vorfreude aufs Wiedersehen. Begehren ist keine Nebensache. Es trägt dazu bei, dass eine Beziehung lebendig und erfüllend ist.
Was wirklich zählt: Verbundenheit, Begehren und emotionale Sicherheit
Das Bedürfnis nach Sicherheit hinter dem Shrekking ist berechtigt. Die gute Nachricht: Es gibt andere Wege, dieses Bedürfnis zu erfüllen, ohne auf das zu verzichten, was unser Herz höherschlagen lässt.
- Die eigenen Kriterien hinterfragen: Statt die Ansprüche zu senken, könnten wir sie noch einmal überdenken. Was zählt für uns wirklich? Ein liebevoller Umgang, Humor, Zuhören, gemeinsame Pläne – oder, ganz schlicht, ein Po, der uns umhaut?
- Das eigene Selbstvertrauen stärken: Sich liebenswert zu fühlen und damit anzufangen, sich selbst Liebe zu schenken, ist oft der erste Schritt zu einer ausgewogenen Beziehung. Dann geht es nicht mehr darum, sich die andere Person zu „verdienen“ oder die Oberhand zu gewinnen.
- Auf Kommunikation setzen: Wer Ängste, Wünsche und Grenzen von Anfang an offen anspricht, schafft eine viel solidere Vertrauensbasis als durch ein Kräftemessen.
- Dem Begehren Raum geben: Anziehung kann langsam entstehen und mit der Zeit und wachsender Vertrautheit stärker werden. Wichtig ist, dass sie da ist – aufrichtig und gegenseitig.
- Eine Beziehung auf Augenhöhe wählen: Zwei Menschen, die sich aus freien Stücken füreinander entscheiden – mit ihren Stärken und Verletzlichkeiten –, das ist vielleicht eine schöne Grundlage.
Kurz gesagt: Echte emotionale Sicherheit entsteht nicht durch ein Gefälle zwischen zwei Menschen, das einem von ihnen zugutekommt. Man baut sie gemeinsam auf, im eigenen Tempo jedes Einzelnen.
Eigentlich erzählt Shrekking viel über unsere Zeit: Dating ist sooo anstrengend, wir haben Angst, verletzt zu werden, und Äußerlichkeiten wiegen schwer. Versuchen wir, Liebe nicht länger als Risikokalkulation zu betreiben, und finden wir den Mut, unsere Gefühle zuzulassen.
xoxo💜




