Epectase: peut on vraiment mourir d'orgasme?

Epektase: Kann man wirklich am Orgasmus sterben?

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Hallo, hallo, ab ins Bett, ihr munteren Spätsommer-Schätzchen...


Wo wir gerade vom Bett sprechen...


Wusstet ihr schon...? Es gibt ein französisches, seltenes und herrlich absurdes Wort für das Sterben beim Liebesspiel: die Epektase? Ein Begriff, den kaum jemand verwendet, den die wenigsten kennen und der eine Geschichte rund um einen Kardinal, eine Satirezeitung und zweitausend Jahre mystische Theologie im Schlepptau hat. Man kann also sagen: Wir wollten dieses Wort schon sehr lange mal unterbringen.


Ganz konkret: Ja, man kann während des Geschlechtsverkehrs sterben. Nein, euer Orgasmus wird euch nicht umbringen. 


Und statistisch gesehen habt ihr unendlich viel mehr Gründe, euch um die Autofahrt zum Shop Sorgen zu machen als um das, was danach passiert. Hier erfahrt ihr, was die Wissenschaft sagt, was die Geschichte erzählt und vor allem, was unsere Sprache verrät.


Was genau ist eigentlich Epektase?


Definition. Epektase bezeichnet den Tod während des Geschlechtsverkehrs, genauer gesagt während des Orgasmus. Das Wort stammt vom griechischen ἐπέκτασις (epéktasis), was „Ausdehnung, Verlängerung“ bedeutet. Ein weiter Weg bis zur heutigen Bedeutung.


Dieses Wort hatte ursprünglich eine ganz andere Bedeutung – und hat sie übrigens immer noch. In der christlichen Theologie bezeichnet die Epektase das unendliche Fortschreiten des Menschen zu Gott hin: ein Streben, ein Impuls, ein fortwährendes Über-sich-Hinauswachsen. Das Konzept geht auf den Philipperbrief (3, 13–15) des Paulus von Tarsus zurück, und Gregor von Nyssa machte es im 4. Jahrhundert zu einem Grundpfeiler der mystischen Theologie. Johannes Klimakos veranschaulichte es später mit dem Bild einer Himmelsleiter, die man erklimmt, ohne je ihren Gipfel zu sehen.


Wie kommt man also vom Aufstieg zu Gott zum tödlichen Orgasmus?


Wie so oft durch einen sprachlichen Fehltritt, der hier wunderbar genau datiert werden kann (1974).

In jenem Jahr stirbt Kardinal Jean Daniélou – Akademiemitglied, Jesuit und (das kann man sich nicht ausdenken) einer der führenden französischen Experten für Gregor von Nyssa, also für die theologische Epektase. Er wird tot in der Wohnung einer Sexarbeiterin aufgefunden. In seiner Grabrede wird von einem Tod „in der Epektase des Apostels“ gesprochen. Die Satirezeitung Le Canard enchaîné greift das auf, ganz Frankreich lacht – und das Wort bekommt eine völlig neue Wendung. Seitdem fehlt es in vielen allgemeinen Wörterbüchern; und wenn es dort aufgeführt wird, überwiegt diese zweite Bedeutung.

Es ist eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen man die Entstehung einer neuen Wortbedeutung im Französischen auf das Jahr genau datieren kann. Liebe für Wortspiele – ihr wisst Bescheid.


Kann man wirklich an einem Orgasmus sterben?


Was die Zahlen sagen


Gut, halten wir mal kurz mit den Witzeleien inne (auch wenn... 😈) , denn an dieser Stelle wird das Thema wirklich nützlich. Die Frage ist kein Tabu: Sie wird schlichtweg falsch gestellt. Nicht der Orgasmus tötet, sondern ein bereits geschwächtes Herz macht bei Anstrengung schlapp – und die besagte Anstrengung ist in etwa vergleichbar mit dem Steigen von zwei Stockwerken.

Die vorliegenden Daten stimmen bemerkenswert überein:

  • Eine 13-jährige Kohortenstudie aus Oregon (2002–2015), die 2017 im Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht wurde, erfasste 4.557 Fälle von plötzlichem Herzstillstand. Weniger als 1 % (0,7 %) traten während oder kurz nach dem Geschlechtsverkehr auf – 34 Fälle in 13 Jahren.
  • Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2006, die fast 32.000 rechtsmedizinische Obduktionen über einen Zeitraum von 33 Jahren in Frankfurt untersuchte, kommt auf eine noch geringere Zahl: 68 Fälle, also 0,2 %.
  • Eine 2022 in JAMA Cardiology veröffentlichte Studie zu rund 7.000 plötzlichen Herztodesfällen bei jungen Menschen (unter 50 Jahren) fand lediglich 17 Fälle im Zusammenhang mit Geschlechtsverkehr.

Mit anderen Worten: Bezogen auf alle Fälle von plötzlichem Herztod machen jene, die beim Liebesspiel eintreten, nur Bruchteile eines Prozents aus. Das Phänomen existiert. Es ist eine Randerscheinung.


Wen es betrifft und warum


Auch die Profile der Betroffenen sind von Studie zu Studie äußerst konsistent. In der Oregon-Kohorte waren 94 % der Fälle Männer (32 von 34) mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren, und eine große Mehrheit wies bereits bekannte kardiovaskuläre Vorerkrankungen auf. Die deutsche Studie zeigte ebenfalls überwiegend Männer um die sechzig.


Was die Mechanismen angeht, identifiziert die Studie von 2022 zwei Hauptursachen: eine plötzliche Herzrhythmusstörung (53 % der Fälle), mitunter bei einem scheinbar gesunden Herzen, und eine Aortendissektion (12 %). Der Rest geht auf strukturelle Herzanomalien oder seltene genetische Erkrankungen zurück. Wichtig zu erwähnen: Diese Kohorte umfasste ausschließlich Personen unter 50 Jahren – was erklärt, warum dort gesunde Herzen zu finden sind, während andere Studien bereits vorgeschädigte Herzen beschreiben. Hinzu kommen dokumentierte begünstigende Faktoren: Substanzkonsum sowie die Kombination von Medikamenten gegen Erektionsstörungen mit bestimmten Herzmedikamenten (eine Wechselwirkung, die unbedingt mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen und niemals improvisiert werden sollte).


Eine Nuance, die uns wichtig ist: Diese Studien teilen Personen nach dem im Geburtenregister eingetragenen Geschlecht in „Männer“ und „Frauen“ ein. Sie sagen daher nichts Spezifisches über trans, nicht-binäre oder intergeschlechtliche Personen aus. Das ist kein methodisches Detail am Rande: Es ist ein blinder Fleck in der sexualmedizinischen Forschung, den es zu benennen gilt, anstatt so zu tun, als würden die Daten alle Menschen abbilden.


Die wahre Lehre aus diesen Studien


Vorweg: Es heißt keineswegs „habt weniger Sex“ (das würde uns ja gar nicht passen, nicht wahr?). Die Botschaft ist sogar das genaue Gegenteil, da regelmäßige sexuelle Aktivität zu den körperlichen Aktivitäten gehört, die sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken.

Die Lehre daraus lautet: In der Oregon-Kohorte lag die Überlebensrate bei unter 20 %, und Erste-Hilfe-Maßnahmen wurden nur in einem Drittel der Fälle von der anwesenden Person durchgeführt. Dabei war per Definition jemand im Raum. Das ist wahrscheinlich die einzige Statistik in diesem Artikel, die wirklich ein Leben retten kann: einen Herzstillstand erkennen und eine Herzdruckmassage durchführen zu können. Ein Erste-Hilfe-Kurs dauert nur wenige Stunden. Ein wunderbares Geschenk, das man sich zu zweit machen kann.


Und wenn ihr mit einer Herzerkrankung lebt, ist der richtige Schritt nicht der Verzicht, sondern das Gespräch in der ärztlichen Sprechstunde. Die Frage „Kann ich ein Sexualleben haben?“ ist medizinisch völlig legitim, und die Antwort lautet fast immer Ja.


Die großen Fälle von Epektase der Geschichte: Was wahr ist, was erfunden und was pikant


Die Epektase ist eine fantastische Fundgrube für historische Anekdoten und Klatschgeschichten. Bringen wir also etwas Ordnung hinein...


Der französische Paradefall: Félix Faure, Präsident der Republik, gestorben im Élysée-Palast am 16. Februar 1899.

Seine Geliebte Marguerite Steinheil war an jenem Nachmittag tatsächlich im Palast und verließ die Räumlichkeiten fluchtartig. Als offizielle Todesursache wurde ein „Hirnschlag“ angegeben, der damalige Begriff für einen Schlaganfall. Historiker*innen, die sich mit den Akten befasst haben, darunter Pierre Darmon, gehen von einem Schlaganfall aus und verwerfen die sexuelle Version des Dramas.


Was Frankreich natürlich nicht davon abhielt, das zu tun, was es am besten kann. Clemenceau spottete: „Er hielt sich für Caesar, starb aber nur als Pompeius.“ Und die Gerüchteküche stürzte sich auf ein berühmt gewordenes Wortspiel um den Präsidenten, der „das Bewusstsein verlor“ („ayant perdu connaissance“) – wobei jene Bekanntschaft („connaissance“) über die Dienstbotentreppe das Weite gesucht hatte.

Die Moral von der Geschicht': Die berühmteste Epektase der französischen Geschichte ist wahrscheinlich gar keine. Die Bonmots haben überlebt, nicht die Fakten...


Kleines erotisches Lexikon des Todes


Das Französische hat sich natürlich nicht mit einem einzigen Begriff zufriedengegeben. Es hat gleich eine ganze Sammlung erfunden, von denen jeder eine ganz eigene Vorstellung von Lust erzählt.


Der kleine Tod („La petite mort“). Die berühmteste Wendung. Und... die am meisten missverstandene. Bevor sie den Orgasmus bezeichnete, gehörte die Redewendung zum medizinischen Vokabular des 16. Jahrhunderts, genauer gesagt zu dem von Ambroise Paré: Sie beschrieb eine Synkope, ein nervöses Frösteln, Schwindel, einen kurzen Bewusstseinsverlust. „Klein“, weil man daraus wieder erwacht. Balzac verwendet sie noch in diesem Sinne in Das Chagrinleder: „Ich spüre noch immer den kleinen Tod in mir, mir ist kalt.“ Die sexuelle Bedeutung taucht erst 1882 aus der Feder von Edmond de Goncourt in La Faustin auf: „der kleine Tod der Wollust“. Pikantes Detail: Als das Dictionnaire de l'Académie française den Ausdruck 1935 endlich aufnimmt, definiert es ihn immer noch als „eine Art Frösteln“. Die Akademie hinkte den Romanautor*innen ein halbes Jahrhundert hinterher. Letzte Ironie: Der Ausdruck ist heute im Französischen eher selten, während die englischsprachige Welt ihn als Inbegriff französischen Chics feiert.


Der siebte Himmel. Eine Anleihe aus antiken Kosmologien, in denen sich die Himmelssphären bis zur letzten, der göttlichen Sphäre, auftürmen. In den siebten Himmel zu kommen bedeutet, die Ebene zu erreichen, über der nichts mehr existiert. Ein echtes Riesenkompliment.


Sterne sehen, die Engel singen hören. Dieselbe vertikale Logik: Die Lust als Aufstieg, als Rausch. Bemerkenswert ist, dass all diese Bilder nach oben streben, während die Epektase eher in Richtung Ausgang weist.


Kommen / Genießen („Jouir“). Das direkteste und spannendste französische Wort für den Orgasmus: Es ist dasselbe Verb wie in „ein Recht genießen/innehaben“ („jouir d'un droit“) oder „sich bester Gesundheit erfreuen“ („jouir d'une bonne santé“). Seine Wurzel steht für den vollständigen Besitz, die uneingeschränkte Nutzung einer Sache. Lust als etwas, über das man verfügt – nicht als etwas, das einem widerfährt.


Ekstase. Vom griechischen ekstasis, „außer sich sein“. Das Wort diente Mystiker*innen lange vor den Liebenden, genau wie die Epektase. Die Sprache der Lust und die der Spiritualität teilten sich über Jahrhunderte hinweg zweifellos dasselbe Wörterbuch.


Eine abschließende Bemerkung zu diesem Punkt: Dieses Vokabular basiert überwiegend auf dem Modell eines einzelnen, kurzen und abschließenden Orgasmus – ein Höhepunkt, ein kleiner Tod, Vorhang zu. Das ist eine unvollständige Beschreibung der menschlichen Lust, die multiple Orgasmen, lange Plateaus, Lüste ohne Höhepunkt und all jene Freuden ausblendet, die sich nicht an den Genitalien abspielen. Die Sprache hinkt hinterher. Nicht euer Körper ist falsch gepolt.


Wenn der Körper verrücktspielt...


Und das ist völlig okay!


Zwischen „alles bestens“ und „Epektase“ gibt es ein ganzes Spektrum an realen Phänomenen, die im Moment oft beunruhigend, meist völlig harmlos und selten erklärt sind:


  • Der Orgasmuskopfschmerz. Ein plötzlicher, heftiger Kopfschmerz im Moment des Orgasmus. Er ist medizinisch dokumentiert und meist harmlos. Dennoch gilt: Ein Donnerschlagkopfschmerz von nie da gewesener Intensität sollte beim ersten Auftreten ohne Verzögerung ärztlich abgeklärt werden; einige seltene Ursachen erfordern eine Untersuchung.

  • Die postkoitale Dysphorie. Traurigkeit, Reizbarkeit oder Weinkrämpfe nach einem eigentlich befriedigenden und einvernehmlichen Geschlechtsverkehr. Und das ist alles andere als selten: Vorliegende Erhebungen zeigen, dass rund 46 % der sogenannten Frauen und 41 % der sogenannten Männer dies mindestens einmal in ihrem Leben erlebt haben. Das hat nichts mit der Qualität der Beziehung oder dem Begehren zu tun. Es dem Partner oder der Partnerin offen zu sagen, nimmt oft schon enorm den Druck raus.

  • Das Post-Orgasmic Illness Syndrome (POIS). Deutlich seltener: ein grippeähnlicher Symptomkomplex nach der Ejakulation. Noch unzureichend erforscht, aber real und anerkannt.

Die Gemeinsamkeit dieser drei Phänomene: Sie machen Angst, weil sie kaum bekannt sind, und sie sind kaum bekannt, weil man nicht darüber spricht. Was uns ziemlich genau zur Daseinsberechtigung dieses Blogs zurückführt.


Fassen wir also zusammen

  • Die Epektase existiert als Begriff (zwei Bedeutungen, darunter eine sehr ernste theologische) und als Phänomen; sie macht jedoch weniger als 1 % der plötzlichen Herztode aus, oft sogar deutlich weniger.

  • Nicht der Orgasmus tötet, sondern ein vorbestehendes Herzproblem, das sich bei mäßiger Anstrengung bemerkbar macht.

  • Das wahre vermeidbare Risiko besteht darin, dass eine anwesende Person nicht weiß, was zu tun ist. Lebensrettende Sofortmaßnahmen kann man lernen.

  • Unser Vokabular der Lust ist ein Museum aus der Medizin des 16. Jahrhunderts, antiker Kosmologie und christlicher Mystik. Der kleine Tod war eine Ohnmacht, der siebte Himmel eine himmlische Sphäre und die Ekstase ein Außer-sich-Sein.

Lust erlebt man nicht mit angehaltenem Atem. Liebt euch, wie ihr wollt und mit wem ihr wollt, hört auf euren Körper, wenn er zu euch spricht, und geht zu einer medizinischen Fachkraft, wenn er euch etwas signalisiert, das euch beunruhigt – KURZ GESAGT.


Bis ganz bald, ihr Lieben 💜


Léa

Léa ☁️


Seit 10 Jahren jongliere ich mit Worten zu den unterschiedlichsten Themen und habe mich nach einer Weiterbildung bei Mathilde Magnien vor Kurzem auf die Sexologie spezialisiert. Fasziniert von Beziehungsdynamiken werden wir hier ganz unverkrampft, inklusiv und auch mit einem Augenzwinkern plaudern.


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